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Novembertag.

Aufgewacht getränkt in einem Gefühl, das keiner Beschreibung standhält. Traurigkeit, Glücksgefühle, Bedrohlichkeit, Angst, Liebe, alles. Den Kopf voller Gedanken. Wirre Bilder, die sich versperren. Lassen sich nicht greifen, verschwimmen vor mir wie Zigarettenrauch. Drehen sich spiralartig in die Höhe, breiten sich aus – und wenn sie sich greifen lassen sollen, zerfallen und rinnen sie durch die Finger wie Sand.
Ein Novembertag mit Temperaturen im Zweistelligen Bereich. Die Sonne gleißt mich an, ich vergesse die Sonnenbrille. Der Fluss, der sich neben der Straßenbahn durch das Tal schlängelt, reflektiert die Sonne in das Abteil hinein. Zerfaserte Sonnenscheibe, tausendfach gebrochen, brennt sich in die Netzhaut ein.
Sprechen fällt schwer. In die Einsamkeit der Wohnung gesprochene Worte sind unwirklich. Alles, was ich heute spreche, adressiert oder für mich, ist unwirklich. Die Stimme fühlt sich an wie trockenes Pergament, das zerbricht und zerbröckelt. Die Geschichte, die es hielt, für immer verloren. Geschichten zerfallen – die Wirklichkeit zerfällt. Heute bin ich stimmloser Beobachter der Geschichten um mich herum. Die Welt ist intensiver und gleichzeitig entrückt. In meiner Außenposition nehme ich sie näher wahr als zuvor.
Landschaften bewegen sich an meiner Sitzposition vorbei, draußen zeigt man einen eineinhalbstündigen Film von der Reise und lässt den Zug im Bahnhof stehen. 3-D-Kino. Könnte es nicht auch so sein?
Die Fabrik, die einen meiner Freunde entlassen hat und immer weiter schrumpft. Ein lautes Frauenclübchen, das auf dem Weg ins Wochenende ist. Zerfallende Gebäude am Bahntrassenrand. Wer lebt schon gern direkt neben ratternden Zügen, unter einer Autobahn? Die Zugfenster sind dreckig, halten das Licht auf, das hereinstrahlen will und tauchen die Außenwelt in einen goldenen Nebel.
Hässliche Plattenbausiedlungen wechseln sich mit wunderschönen Altbauten ab. Eine Burg thront über einem Talkessel und überblickt die Menschen, die in ihrem Schatten leben wie im Mittelalter. Besiedelte Straßen spulen sich die Berge hoch und laufen auf sie zu. Burgstadt. Wer dort am Fenster steht, der hat alles im Blick. Der kennt die Geheimnisse der Welt, die sich unter ihm erstreckt.
Tunnel. Dunkelheit. Dann wieder taghelle Landschaften, kleine Bahngebäude, deren Zweck nur Eingeweihte kennen. Manche verwittern, bieten der Natur neues, altes Land, das sie sich zurückerobert. Fluss und Bahn fahren eine Schleife. Unvermittelt taucht ein Kraftwerk in der idyllischen, von Landwirtschaft geprägten Landschaft auf. Fasziniertes Starren auf den Bau, der nicht in die Umgebung passt. Ebenso unvermittelt verschwindet er. Tunnel. Wir bewegen uns in Menschendingen, auf Menschendingen, durch Menschendinge. Natur ist heute, hier, vom Menschen gemachte Natur. Wir bearbeiten alles, überlassen nichts dem Zufall, kalkulieren. Menschliche Natur.
Mit den Tunneln verändert sich die Landschaft. Es wird industrieller, Fabriken und Siedlungen prägen das Bild wieder. Metallverarbeitendes Gewerbe, das seine Produkte überallhin verschickt. Ich weiß das, denn ich stamme von hier. Die Schwelle zwischen Natur und Kultur, Wald und Siedlung, Landwirtschaft und Fabrikarbeit ist überall präsent. Felder neben Industriegebieten, Pferdestall mitten in der Siedlung, ein Fußweg verbindet Fabrik und Bauernhof. Nicht aussteigen. Erst heute Abend. Weiter geht es, der Zug strebt seiner Endstation zu. Wie ein Pfeil, der, abgeschossen, auf die Zielscheibe zurast und ins Schwarze trifft. Eine halbe Stunde, nachdem er stoppte, wird der Zug seinen Weg zurück nehmen. Ein ewiger Kreislauf. Die Natur erfindet sich selbst in der Kultur wieder, bildet ihre Kreisläufe und Gesetze im Menschengeschaffenen ab.
Das Gefühl weicht nicht von meiner Seite. Der heutige Tag ist anders. Als würde das trockene Pergament im Brechen den Blick auf ein Drittes freigeben, das zwischen Innen und Außen liegt. Den Plan der Geschichte, die sich mit dem Pergament zerstört.

Es ist jetzt November und ich habe mich den ganzen Sommer über nicht gemeldet – schlicht und ergreifend, weil ich keine Zeit hatte. Ich habe im Sommer ein Praktikum in einem Industriemuseum gemacht, das mir unglaublich viel Spaß gemacht und ein ganz neues Berufsfeld eröffnet hat, in dem ich vielleicht auch arbeiten wollen würde. Außerdem habe ich mich zu meiner B.A.-Arbeit angemeldet und Weihnachten geht dann offiziell die Schreibphase los. :) Bis dahin muss ich allerdings noch einige andere Arbeiten fertig machen…

Jetzt aber zu etwas Erfreulicherem: Ich bin durch Zufall – in Form meines Freundes, der wegen Rückenproblemen bei einer Ärztin war – auf etwas gestoßen, das mir offensichtlich wirklich hilft: Manuelle Therapie. Im Endeffekt werden durch einen Physiotherapeuten bzw. Chiropraktiker Blockaden an den Knochen gelöst, erst sanft, und später die Knochen wieder „in Position gebracht“. Der Arzt, bei dem ich war, hat sich damals auch ausnahmsweise mal meine Krankengeschichte vernünftig angehört, mich geröntgt (!) und meinen Wunsch nach MT dann für ausführbar befunden. Leider ist dieser aufmerksame Arzt „nur“ ein Orthopäde, aber dafür habe ich da mal wieder einen gefunden, dem ich trauen kann. Eine Knochenhautenzündung und ein stark geprelltes Knie hat er in den letzten 2 Monaten nämlich auch noch sehr kompetent behandeln dürfen. (Hab’ ich schon mal erwähnt, dass ich ein Trottel bin? :) )

Das Mysterium Briefwahl, #2

Ich habe heute Morgen mit einem der in der Heimatgemeinde ansässigen Beamten telefoniert. Es klappte auch schon beim 2. Versuch, ihn zu erwischen! Das Ergebnis war allerdings sehr unerfreulich.

Ganz offensichtlich bin ich selbst Schuld, wenn ich erst am Freitag erfahre, dass ich Wochenends nicht nach Hause fahren kann und von meiner Möglichkeit Gebrauch mache, Briefwahlunterlagen zu beantragen, und die nun nicht mehr abgeben kann. Auf der Website, auf der der Antrag noch bis Freitagnachmittag möglich war, war nirgends ein Hinweis zu finden, dass ich die Unterlagen, so knapp beantragt, nur noch im Wahlbüro hätte einreichen können.
Ich war ziemlich sauer, aber den fehlenden Hinweis auf der Website ließ der Beamte am anderen Ende der Leitung nicht gelten. Schließlich habe es genug Infos in allen Medien gegeben – den Hinweis auf der offiziellen Website der Gemeinde suche ich vergeblich; ich war seit Wochen nicht mehr zu Hause und habe hier in Dortmund keine Zeitung – und überhaupt hätte ich etwas nachdenken sollen, was den knappen Antrag beträfe.

Ich bin jung, was das betrifft auch durchaus unerfahren und hätte ich eher gewusst, dass ich nicht physisch wählen gehen könnte, hätte ich meine Unterlagen auch eher beantragt. Dass ich mir nun aber auch noch durch die Blume anhören konnte, ich sei dumm, und ganz offen, so wie ich das getan habe, sei ich selbst Schuld, wenn ich nicht wählen könne, ist eine Frechheit. So vergällt man sich junge Wähler… Eine solche Attitüde seinen „Jungwählern“ gegenüber macht es mir nur leichter, ins Lager der Nichtwähler zu wechseln.

Das Mysterium Briefwahl

Da ich momentan nicht in meinem Heimatort bin, sondern ein Praktikum in Dortmund mache, habe ich am Freitag noch schnell Briefwahlunterlagen beantragt. Möglich war das bis Freitag, 28.08., irgendwann spätnachmittags.

Gestern kamen die Unterlagen. Da ich aber keine Zeit hatte und es meiner Ansicht nach ziemlich egal ist, ob ich die Sachen Samstag Nachmittag oder Montag Morgen in die Post werfe, ließ ich den Brief liegen. Bis heute.

Ich öffne die Unterlagen nichts ahnend und lese Folgendes: Ich solle die Unterlagen früh genug, spätestens 3 Werktage vor der Wahl, also am 27.08., wieder zurücksenden. Alles, was erst nach dem Wahltag eintrifft, kann nicht mehr berücksichtigt werden.

Meine Heimatgemeinde scheint eine Zeitmaschine zu besitzen.

Quickie: Kundendialog

„Das gerät hat W-Lan-Funktion.“
- „W-Lan? Liegt das bei?“

Blackfield Festival 2009

Die Festivalsaison ist (für mich) eröffnet!
Am Wochenende war ich – auch jobbedingt – auf dem Blackfield Festival in Gelsenkirchen. Das Wochenende war wunderschön, ich hatte einige interessante Begegnungen und mein Job hat mir ein tolles Gespräch ermöglicht.

Mehr kann ich dazu gerade noch nicht sagen. Nach den zwei Headlinershows Samstag und Sonntag ist mein Kopf noch so leer, das Gefühlte und Erlebte in Worte zu fassen, ist fast noch zu persönlich. So oder so, das Wochenende war unglaublich.

Na toll.

Ich bin eine Frostbeule und werde schnell krank. (Naja, zumindest schnodderig.)
Und was passiert am Wochenende, wenn ich 2 Tage lang nur unter freiem Himmel unterwegs sein werde?!

Richtig. Es soll unter 20°C kalt werden und regnen. Wo war noch gleich die Erderwärmung?

(Momentan hoffe ich übrigens noch darauf, dass ich demnächst mal wieder sinnvolleren Content liefere. Wäre jemand an Einzelverlinkungen zu den Rezensionen interessiert, die ich schreibe? =D )

To-Do-Liste Juni

Schamlose Selbstdarstellung, die zeigen soll, wie unglaublich beschäftigt ich bin!

Uni:
Vortrag Intersexualität (07.07.) vorbereiten
Hausarbeit zur Intersexualität in Middlesex und Mitgift durchboxen
Take-Away-Klausur Philosophie (zu Hobbes) fertig machen
3 Stundenprotokolle Dramentheorie schreiben
Protokoll Kant überarbeiten

Job:
8 6 5 6 (die nächste Laung ist gekommen) Rezensionen schreiben
Blackfield Festival besuchen und nachbereiten

Freizeit:
Blackfield Festival besuchen
Amphi Festival durchboxen: Hotelbuchung, Ticketbestellung, besprechen, ob wir überhaupt hinfahren Wir fahren und ich hab sogar eine Akkreditierung! YES!
M’Era Luna Ticket bestellen

Gelesen im Mai 2009

Es ist ja schon wieder Juni! Da muss ich tatsächlich wieder was nachreichen.

Antigone, Sophokles

Leben zwischen den Geschlechtern. Intersexualität – Erfahrungen in einem Tabubereich, Ulla Fröhling

Irgendwann…

… zwischen nächster Woche und Mitte Oktober werde ich mir das hier ansehen gehen.
Mit Freunden.
Vielleicht erwartet mich auf dieser Ausstellung geisterhaftes, vielleicht auch nur wieder eine – größenhafte – Enttäuschung wie bei H. R. Giger in Frankfurt. Man wird es sehen.

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